Landerleben mit Marie vom Stöver Hof Holvede - Was steckt dahinter? -

Meyers Agrar Blog

Moderne Landwirtschaft, Bauernhofpädagogik & Landerleben mit Marie Stöver

Was macht Landwirtschaft eigentlich aus? Wie genau sieht die Verbindung zwischen Landleben und Agrarwirtschaft aus? Welche pädagogischen und zukunftsorientierten Ansätze stecken hinter moderner Landwirtschaft und wie sollte eigentlich moderne Landwirtschaft gelebt werden?

Wir haben uns mit Marie Stöver aus Holvede / Halvesbostel darüber unterhalten. Die 26jährige ist nicht nur in einem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden, der übrigens auch Kunde bei Meyer Agrartechnik ist. Sie liebt und lebt das Landleben und hat die Landwirtschaft zu ihrem Beruf gemacht. Doch vielleicht ganz anders, als manch einer hier jetzt denken würde.

Sie wollte nicht immer beruflich in der Landwirtschaft arbeiten, die Idee und der Gedanke kam erst viel später und wurde dann von ihr noch viel weiter gedacht und gelebt und mündete schließlich in einer ganz besonderen selbständigen Tätigkeit.

Neugierig?

Landerleben mit Marie
Landerleben mit Marie

Marie, was genau passiert auf dem Stöver-Hof? Worauf seid ihr spezialisiert?

Unser Hof ist ein konventioneller landwirtschaftlicher Betrieb. Wir sind auf Schweinemast und Speisekartoffelanbau spezialisiert. Neben Kartoffeln bauen wir Getreide und Mais an. Das Getreide verarbeiten wir zu Schweinefutter.

Hast du deswegen Landwirtschaft gelernt?

Nein, ich wollte erst gar nicht in die Landwirtschaft. Ich habe ursprünglich ein Praktikum im Handwerk gemacht und dann überlegt auf Tiermedizin zu gehen. Durch die weiterführende und vorbereitende Schule in Bremervörde änderte ich dann aber doch noch einmal meine Pläne und der Weg in die Landwirtschaft wurde eingeschlagen. Erst per Ausbildung und dann per Studium. Parallel dazu habe ich eine Weiterbildung zur Bauernhofpädagogin absolviert.

Was verbirgt sich denn hinter Bauernhofpädagogik?

Bauernhofpädagogik kann als eine Art der landwirtschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit verstanden werden. Sie macht die Landwirtschaft und das Landleben erleb- und begreifbar.

Bauernhofpädagogik beinhaltet aber nicht nur Landwirtschaftliches Fachwissen, sondern auch Themen aus der Natur- und Umweltbildung sowie der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Die Bauernhofpädagogik spricht alle Sinne an, stärkt das Bewusstsein und vermittelt Wissen und kann noch viel mehr bewirken.

Bauernhofpädagogik ist vor allem eins: vielfältig.

Ist Bauernhofpädagogik denn eher was für Kinder?

Tatsächlich spricht Bauernhofpädagogik alle Menschen an.

Auf mein Landerleben mit Marie – Programm bezogen biete ich bisher vor allem Veranstaltungen für Kinder (oft mit Eltern) an. Ich möchte dieses aber in Zukunft gerne vielfältiger gestalten.

Außerdem gibt es von Anfang an auch die Möglichkeit für Gruppen ein Programm zu buchen.

Darüber hinaus arbeite ich auch für das Freilichtmuseum am Kiekeberg als Museumspädagogin. Hier kombiniere ich mein Fachwissen.

Mehr Infos: Landleben mit Marie auf Instagram / Landleben mit Marie auf Facebook / Aktion #366tagelandleben

Landerleben mit Marie
Landerleben mit Marie

Ist Landwirtschaft ein Beruf mit Zukunft?

In vielen Berufen werden Arbeiten durch Maschinen unterstützt und teilweise auch ersetzt. Nahrungsmittel können teilweise schon im Labor herangezüchtet werden. Dennoch ist Landwirt ein sehr sicherer Beruf mit Zukunft. Denn Nahrungsmittel benötigen wir weiterhin zum Leben und die Ausgangsbasis wird von Landwirten produziert.

Was macht das Landleben denn so besonders?

Abwechslung, Weite, Natur.

Das Thema Landleben ist oft mit Vorurteilen behaftet. Müßte es hier mehr Aufklärungsarbeit zu Landleben und Landwirtschaft geben?

Ja und das treibt mich an, aber es macht genau so viel Spaß wenn die Besucher schon viel Wissen mitbringen.

Gibt es ein „Lieblingsvorurteil“?

Oh, da gibt es viele. Eines, welches mir gerade einfällt ist mir im Studium oft begegnet: „Was? LandwirtIn ist ein Beruf?“ Ja 😉 und man kann das sogar studieren!

Landleben
Landleben

Du arbeitest auch für das Portal „Landwirtschaft Harburg“. Was steckt dahinter?        

Landwirtschaft-harburg.de ist ein Portal zur Kommunikation zwischen Landwirten und Verbrauchern. Hier gibt es viele Informationen zu landwirtschaftlichen Themen, die Möglichkeit Fragen zu stellen, außerdem kann man hier mehr über landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis Harburg erfahren, da sich auf der Plattform einige vorstellen.

Hinter Landwirtschaft-Harburg stehen ca. 170 Landwirte aus dem Landkreis Harburg. Initiiert wird dies von einer kleinen Gruppe landwirtschaftlicher Beratungsträger. Über das Portal möchten wir in Zukunft Schulklassen und andere Gruppen einladen, Bauernhöfe im Landkreis Harburg kennenzulernen. Da komme ich dann ins Spiel: Ich verbinde Bauernhöfe und die Besuchergruppen/Schulklassen und biete ein spannendes Programm auf dem Hof, auch zu spezielleren landwirtschaftlichen Themen.

Welchen Einfluss hat Corona gerade auf deine Arbeit?

Dank der aktuellen Corona-Lage kann ich keine Gruppen auf den Höfen begrüßen. Mitte März hatte ich die letzte Veranstaltung, seit dem fehlt mir das Einkommen durch meine Arbeit. Da ich selbstständig arbeite und im Winter weniger Veranstaltungen laufen ist für mich eigentlich jetzt die wichtigste Zeit zum Geld verdienen. Zum Glück wohne ich noch bei meinen Eltern und werde hier finanziell unterstützt. Noch ein kleiner Wehrmutstropfen stellt die staatliche Unterstützung dar, so können wenigstens die Versicherungen weiterhin bezahlt werden.

In der neugewonnenen Zeit konnte ich zu Hause auf dem Betrieb bei der Frühjahrsbestellung helfen und außerdem ist jetzt Zeit für meine persönliche Weiterbildung. Außerdem kann man auch einfach mal zur Ruhe kommen.

Gibt es Wünsche für die Zukunft?

Mein Ziel ist es, in Zukunft, von meiner selbstständigen Tätigkeit leben zu können. Aus diesem Grund wünsche ich mir, dass wir schnell zur Normalität zurückkehren können und so etwas nicht so schnell wieder vorkommt.

Außerdem finde ich es wichtig, dass Landwirtschaft und das damit verbundene Wissen, wo Lebensmittel denn eigentlich herkommen, so früh und so oft wie möglich, im Unterricht, thematisiert werden.

Ich bin dafür, dass dieser Unterricht praktisch umgesetzt wird, z.B. in Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Höfen. 

Alle Bilder für diesen Beitrag wurden uns von Marie Stöver zur Verfügung gestellt.